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Donnerstag, 7. Oktober 2010

Ich schreibe wie...

FAZ.net hat sich was Nettes einfallen lassen: auf der Seite Ich schreibe wie... kann man eine Textprobe von sich eingeben und dann die stilistische Nähe zu (hoffentlich) bekannten Autoren berechnen lassen. Wie genau das funktioniert, verrät die Seite natürlich nicht. Immerhin findet sich unter dem Eingabefeld der Hinweis, das Verfahren basiere auf dem englischsprachigen I write like..., das von Coding Robots entwickelt wurde.

Ich habe die Software gleich mal mit einem einseitigen Auszug aus einem meiner Prosamanuskripte ausprobiert, und siehe da:

Uwe Johnson


Selbstverständlich fühle ich mich geehrt, angesichts der attestierten stilistischen Nähe zu einem so bedeutenden deutschen Nachkriegsschriftsteller. Betroffen gemacht hätte mich indes eine Nähe zu ... aber lassen wir das.

Ob sich die Annahmechancen eines Manuskripts indes erhöhen, tackerte man das obige Zertifikat daran - das steht freilich auf einem anderen Blatt. In jedem Fall trägt es ein wenig zu Eigenmmotivation bei :-)

Samstag, 4. Oktober 2008

Für wen schreiben?

Eine der dringlichen Fragen, die sich bei jedem, der schreibt, früher oder später einmal stellt, lautet: Für wen schreibe ich?

Erwerbsmäßige Schriftsteller schreiben selbstverständlich für ein zahlendes Publikum - und sind dementsprechend dessen Wünschen sowie der Marktlage verpflichtet.

Freie Autoren genießen die Freizügigkeit, schreiben zu können, was sie wollen - ohne doch sicher davon ausgehen zu können, dass sie auf diese Weise ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Die Probleme beider Formen hat Gabriele Bärtels in der ZEIT (45/2007) ausgeführt: Schreiben macht arm.

Aus bürgerlicher Sicht, der die Sicherung der eigenen Existenz ein vorrangiges Ziel darstellt, rückt das Schriftstellertum prioritär in den Hintergrund: Schreiben nur, wenn die Lebensgrundlage gesichert ist - oder wenn das Schriftstellertum diese sicher gewährt.

Doch es gibt neben diesem bürgerlichen noch einen weiteren Grund, seine Existenz nicht auf Schriftstellerei - sei sie belletristisch oder journalistisch - zu gründen: Die denkerische Unabhängigkeit. Sobald Pegasus vor den Pflug gepannt ist, verliert er seine Kraft zu fliegen.

Schreiben zuerst für sich selbst - zur Aneignung und Interpretation der Welt, inklusive seiner selbst. Dann für Freunde. Dann für alle anderen. Ein Weg zu geistiger Unabhängigkeit.

Und wenn mich überhaupt niemand lesen wird - heißt das denn, mich so viele Mußestunden mit derart nützlichen und angenehmen Betrachtungen unterhalten zu haben sei verlorene Zeit für mich gewesen? Indem ich dieses Porträt nach mir formte, mußte ich, um die wesentlichen Züge aus mir herauszuholen, derart oft die rechte Haltung einnehmen, daß das Modell selbst erst feste Konturen darüber gewonnen hat, sich gleichsam selber erst durchgestaltet hat. Indem ich für mich malte, legte ich klarere Farben in mir frei, als sie es ursprünglich waren. Ich habe mein Buch nicht mehr gemacht, als es mich gemacht hat [...]
Michel de Montaigne, Essais,
hrsg. von Hans Stilett, "Wenn man einander des Lügens bezichtigt", S. 330

Freitag, 3. Oktober 2008

Der erste Satz ist der schwerste

Gut, auch dieser Hype ist überstanden, die Wogen haben sich längst schon geglättet; Zeit darüber nachzudenken, ob man nicht auf der bereits auslaufenden Welle sich noch eine Weile treiben lassen könnte: das Blog ist inzwischen eine etablierte Form des Gedankenaustauschs im Internet, das keinerlei Aufregung mehr provoziert - zumindest was die Form anbelangt.
Kein Freund des leider immer stärker um sich greifenden Web-Exhibitionismus, habe ich schon früh die Möglichkeit einer eigenen Homepage ausgeschlagen, längst bevor das WWW zu einem Massenmedium avancierte. Stets kritisch hinsichtlich der Chancen und Risiken, war ich mehr Beobachter als Akteur, und nutzte doch die vielfältigen Möglichkeiten, die das Netz zu bieten hat, allen voran selbstverständlich die Wikipedia. Warum nicht nun auch etwas zurück geben - und sich dadurch ein wenig unter Druck setzen, zu schreiben.

Und warum auch nicht?, haben es doch andere vorgemacht, allen voran Michel de Montaigne, der mit seinen Essais stilbildend wirkte. Auch er schrieb, wenn schon nicht einfach drauf los, so doch zumindest jedem akademischen Duktus abhold, und er schrieb durchaus Persönliches:
Dies hier sind vielmehr meine persönlichen Überlegungen, durch die ich nicht die Kenntnis von Dingen zu vermitteln suche, sondern von mir. [...] Deshalb habe ich keinerlei Gewissheit zu bieten, es sei denn darüber, welchen Stand die Erkenntnis meiner selbst zur Stunde erreicht hat. So achte man nicht auf den Stoff, sondern auf die Form, in der ich ihn wiedergebe: plaudernd, reflektierend und bald fürs Pro plädierend, bald fürs Kontra. [...] Ich habe keinen anderen Hauptfeldwebel, meine Stücke in Reih und Glied zu stellen, als den Zufall. Wie die Phantasiegebilde sich bei mir einfinden, stapel ich sie auf; manchmal drängen sie sich zuhauf, manchmal kommen sie in dünner Reihe angetrödelt. Ich will, dass man mich in meiner üblichen Gangart sehe, so unüblich sie ist.
Michel de Montaigne, Essais,
hrsg. von Hans Stilett, "Über Bücher", S. 201
In diesem Sinne soll dieses Blog verstanden werden.